Kinderkulturkarawane gewährt Einblicke in die indische Kultur

Im Go in lernten die Teilnehmer eines Workshops Tanzschritte von den jungen Inderinnen. - Fotos (2): Liesegang

Bönen - In eine andere Welt tauchten Donnerstagnachmittag 25 Bönener Kinder und Jugendliche ein. Sie lernten ungewöhnliche Rhythmen beim Bollywoodtanz und ließen sich zeigen, wie Henna-Tattoos aufgebracht werden. Der Treffpunkt Go in hatte zum vierten Mal die Kinderkulturkarawane zu Gast. Nach Brasilien, Kolumbien und Südafrika war der indische Subkontinent diesmal Thema.

Sechs indische Mädchen und Frauen besuchten am Morgen zunächst die Pestalozzi-Hauptschule. Sie begeisterten dort die Schüler in der Pausenhalle mit exotischen Tanzschritten. Anschließend war der Besuch einer typisch deutschen Schulklasse angesagt. Auf der einen Seite saßen nun die Jungen und Mädchen der 8a in „westfälischer Reihe“, teilweise etwas schüchtern. 

Auf der anderen die selbstbewussten Gäste aus Dehli. „Ihr könnt ruhig Deutsch sprechen“, ermunterte Eva Pannewick die Schüler ohne Erfolg. Sie begleitete die Inderinnen für die Hamburger Organisation Kinderkulturkarawane. „Ihr wollt doch voneinander lernen“, lockte sie.

Kinderkulturkarawane mit Thema Indien

            

 

       

Eine Schülerin traute sich dann doch. In gutem Englisch forderte sie die Mädchen heraus, ein indisches Lied anzustimmen. „Klar, wenn ihr auch singt“, kam prompt die Antwort. Und so geschah es. Die Inderinnen im Alter von 16 bis 35 Jahren wurden gekonnt begleitet von ihrem Landsmann Niraj Toppo Nisha. Der Bischof, der momentan den Verein „Hilfe für Kinder in Chatterhat“ in Bönen besucht, trommelte auf der Schulbank.

Die Atmosphäre schien aufgelockert. „Aber wir müssen weiter“, erinnerte Schulsozialarbeiterin Linh Nguyen daran, dass zwei weitere Klassen gespannt warteten.

Dass das Interesse der Bönener Jugend an dieser fremden Kultur groß ist, zeigte auch der Nachmittag. 25 Mädchen versuchten sich an den eleganten, dynamischen Figuren eines typischen Bollywoodtanzes. „Ich find das total cool“, sagte Celina Dröghoff. Sie hat sich mit Henna schon häufiger ausprobiert. An diesem Nachmittag wurden aber die Motive der indischen Gäste bevorzugt, Blumenornamente.

Die Inderinnen leben alle in einem Familyhome in Delhi. „Das ist ein Frauenprojekt gegen Kinderhandel und Prostitution, auch präventiv“, erklärte Pannewick. Sie und die jungen Frauen zeigen bewusst einen schönen Teil der indischen Kultur auf der dreimonatigen Europa-Tour. „Wenn es zu persönlichen Gesprächen kommt, werden sie vielleicht auch über ihr Schicksal reden, aber in der Regel ist die Zeit zu kurz. Sie wollen ehrlichen Applaus – kein Mitleid.“